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Das Treffen verbindet deutsche und französische Jungmanager. Es bricht Rituale – es darf auch Englisch gesprochen werden.
Der Tabubruch beginnt bei der Sprache. Das Cluny-Forum dient dem Austausch von Deutschen und Franzosen – doch entgegen deutsch-französischer Konventionen ist Englisch ausdrücklich erlaubt. Auch feierliche Reden und langatmige Expertenpanels gibt es nicht. Das Forum will kein Ort zur Symbolpflege sein, sondern einer, an dem Jungmanager anwendbare Ideen zur Zusammenarbeit entwickeln. Und das mithilfe amerikanischer Coachingmethoden. Mon dieu!
Die Lenker deutscher und französischer Konzerne haben ihre eigenen Zirkel, zum Beispiel das Unternehmertreffen von Evian. « Den Austausch auf Ebene der Topmanager zu beginnen, ist aber zu spät », sagt Cluny-Initiator Andreas Görgen. « Das muss wachsen. » An den Young Professionals liege schließlich, ob Europa innovativ und wettbewerbsfähig bleibe.Das Cluny-Forum findet am Wochenende zum dritten Mal statt, in Lyon diesmal. Frühere Treffen gab es in Berlin und eben in Cluny, einem Städtchen im Burgund, das im Mittelalter zu den geistigen Zentren Europas gehörte. Etwa 60Führungskräfte unter 40 Jahren kommen zusammen. Aus München und Paris, Bottrop und Rennes, Warschau und New York – wo immer sie gerade arbeiten. Oft tun sie es bei großen Unternehmen wie Siemens, Bosch, Airbus oder BNP Paribas. Die Projekte, die sie beim Forum entwickeln, sollen sie in ihre Firmen tragen. Genau wie die Kontakte ins Nachbarland.Entstanden ist die Initiative aus einer Erfahrung des Scheiterns: Der damalige Siemens-Manager Görgen, heute im Auswärtigen Amt tätig, war 2011 damit befasst, eine Kooperation mit dem Pariser Atomkonzern Areva aufzulösen. Sein Pendant war Philippe Knoche, inzwischen Areva-Chef. Sie stellten fest, dass ihre Aufgabe symptomatisch für die Entfremdung von Deutschen und Franzosen war. « Der alte Reflex, dass wir eher Konkurrenten sind als Partner, erstarkt wieder », so Görgen. « Dabei kommt die gemeinsame Konkurrenz aus den USA und China. » Gerade junge Deutsche unterschätzten Frankreich oft. Von einer ähnlichen Feststellung gehen die German-French Young Leaders und der Deutsch-französische Zukunftsdialog aus, wobei diese Programme breiter und akademischer ausgerichtet sind. Görgen und Knoche wollen dagegen gezielt der Entfremdung in der Wirtschaft entgegenwirken. Würden sie nur Deutsch und Französisch als Sprachen zulassen, würde dieses Ziel verfehlt, weil es nur wenige Teilnehmer gäbe.

In Lyon beschäftigen sich die Jungmanager mit Digitalisierung, ein Megathema, das ihren Alltag oft schon beherrscht. Ungewöhnlich ist, dass sie es nun aus deutsch-französischer Perspektive tun. Projekte früherer Cluny-Foren laufen bereits: Für BuyIn, eine Gemeinschaftsfirma von Deutscher Telekom und dem Pariser Orange-Konzern, wurden interkulturelle Trainings entworfen. Besonders ehrgeizig ist die Idee eines MOOC, eines Online-Kurses, mit dem arbeitslose Jugendliche für Jobs im Nachbarland qualifiziert werden. Der Kontakt zu den Arbeitsagenturen beider Länder steht.

Auch die Amerikaner werden aufmerksam auf das Cluny-Forum. Ein Manager von General Electric fragte an, ob er ebenfalls kommen dürfe. Darf er. Und kann sich – wie praktisch – dann gleichzeitig nach Talenten aus Deutschland und Frankreich umsehen.

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Quelle : http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/cluny-forum-nicht-mehr-feierlich-1.3193205
Von Leo Klimm
6. Oktober 2016, 18:50 Uhr